JazzZeitung - aktuell

Die Münchner Techno-Bigband stellt neues „himmlisches“ Programm in der Regensburger Dominikanerkirche vor

Die ein wenig versteckt in der Predigergasse liegende Dominikanerkirche St. Blasius war bisher keineswegs als Hort überschäumender Lebensfreude und unbändiger Bewegungslust bekannt. Seit letztem Wochenende ist das anders. Schon vor dem Konzert der in München beheimateten Jazzrausch Bigband, die den bewusstseinsverändernden Zustand bereits im Namen trägt, hatten sich vor dem schmalen Eingang am Albertus-Magnus-Platz lange Menschenschlangen gebildet. Geduldig warteten sie auf Einlass in die nur selten zugängliche frühgotische Basilika. Es war, wie es eine ältere Besucherin zurückhaltend ausdrückte, „ein ganz besonderes Erlebnis“. Das war vom Ort, der nach vorne zum Altar gerichteten Bänke, der für fast die Hälftedes Publikums ungewohnten Musikmischung aus Jazz und technoiden Grooves bis hin zur Form der Musikaufnahme in der Tat. Bevor sich die Besuchenden einen Platz in dem von draußen erhellten Kirchenraum einen Platz suchen konnten, bekamen sie von Mitgliedern der Bigband einen Kopfhörer mit dem Hinweis in die Hand gedrückt, dass ein Teil der Musik nur über dieses Hilfsmittel zu hören sei. Mittig im Hauptschiff, wo sich Haupt- und Quergang kreuzen, war eine eher kleine Bühne aus mehreren Elementen aufgebaut, die – wie sich wenig später herausstellte – Platz …

Jazz kommt aus Afrika – zur jazzahead! 2026

(Von Kat Pfeiffer) Ein paar Töne – und klar ist: Das ist Jazz. Doch wie klingt eine Menge, die über Jazz verhandelt? So wie auf der jazzahead! 2026. In Halle 6 summt es wie in einem Bienenhaus – etwas lauter als im Vorjahr. Die jazzahead! verbindet Showcase-Festival, Club-Night in der Stadt, Branchentreffen, Workshops und Konferenz. Messe und Konferenz sind ausschließlich Fachbesuchern vorbehalten. Vor Ort treffen sich Booker, Labels, Musikorganisationen, Vereine, Festivalmacher, Journalistinnen und Musiker. In diesem Jahr ist die jazzahead! 20 Jahre alt geworden und wirkt von Jahr zu Jahr internationaler. Früher Meeting für deutsche Player Die größte Fachmesse Europas breitet sich weltweit aus. „jazzahead! war am Anfang ein Meeting für deutsche Player”, sagt Sybille Kornitschky, die treibende Kraft hinter jazzahead! „Wir hatten im ersten Jahr tatsächlich Teilnehmende aus drei Ländern: Deutschland, Italien und Österreich. Heute ist diese Veranstaltung weltweit die Nummer eins. Die Teilnehmenden kommen aus 62 Ländern von allen fünf Kontinenten. Das sind rund die 3.000 registrierte Teilnehmer, die anlässlich der jazzahead! nach Bremen reisen. Im Rahmen des Festivals, weil wir auch ein stadtweites Festival produzieren, sind das über 20.000 Menschen, die wir an …

Die TagDerArbeit-Radiowoche vom 27.04.26 bis 03.05.26

Jazz im Radio – Jeden Sonntag gibt es um 12 Uhr unsere Übersicht für die jeweils nachfolgende Woche. Die #Jazz-Radiowoche vom 27.04.26 bis zum 03.05.26. Auch als PDF zum Download – #Jazz #JazzZeitung #Radio #Radiowoche – Ein Service unserer Online-Redaktion.

Die SonicYouth-Radiowoche vom 20.04.26 bis 26.04.26

Jazz im Radio – Jeden Sonntag gibt es um 12 Uhr unsere Übersicht für die jeweils nachfolgende Woche. Die #Jazz-Radiowoche vom 20.04.26 bis zum 26.04.26. Auch als PDF zum Download – #Jazz #JazzZeitung #Radio #Radiowoche – Ein Service unserer Online-Redaktion.

Marta Sánchez: Well prepared

(Von Robert Fischer) Einmal ist immer das erste Mal. Die im Jahr 1983 in Madrid geborene, in der spanischen Hauptstadt auch aufgewachsene, seit 2011 in den USA lebende Marta Sánchez hat sich viel Zeit gelassen für ihr Solo-Debüt. Umso neugieriger durfte man sein, welches Konzept sich die in der zeitgenössischen Kreativmusikszene mit eigenen Bandprojekten sowie als viel gefragte Begleitmusikerin höchst aktive, auch international tourende Pianistin für dieses Debüt überlegt hat. Im Februar 2026 flog die Musikerin, die zuletzt 2025 mit dem Downbeat Critics Piano Rising Star Award ausgezeichnet wurde, für zwei Konzerte nach Deutschland, um das am 17. April erscheinende Soloalbum vorzustellen. Das erste der beiden Konzerte fand am 19. Februar in München statt, wo sie von Martin Kolb für seine verdienstvolle Reihe JAZZplus in die Seidlvilla eingeladen worden war. Marta Sánchez ist leicht verschnupft. Erst an diesem Nachmittag kam sie nach einem langen Flug aus New York City, und nun sitzt sie schon in der Münchner Seidlvilla beim Soundcheck. Der ein bisschen länger dauert, denn ihr Soloalbum hat sie auf einem präparierten Klavier eingespielt, und diese Präparation gilt es nun für den Auftritt sorgfältig vorzubereiten. …

Die MusikausallerWelt-Radiowoche vom 13.04.26 bis 19.04.26

Jazz im Radio – Jeden Sonntag gibt es um 12 Uhr unsere Übersicht für die jeweils nachfolgende Woche. Die #Jazz-Radiowoche vom 13.04.26 bis zum 19.04.26. Auch als PDF zum Download – #Jazz #JazzZeitung #Radio #Radiowoche – Ein Service unserer Online-Redaktion.

Olga Reznichenko erhält den SWR Jazzpreis 2026

Jazz News HufnerDie in Leipzig und Berlin lebende Pianistin gestaltet extrem aktiv und extrem vielseitig den Sound des aktuellen Jazz in Deutschland mit, ob vom Flügel aus oder an den Tasten elektronischer Instrumente. Ihre Kompositionen sind aus feinen Ideen zu einem festen Netz gewoben, in das sich auch ihre Mitmusikerinnen und Mitmusiker beim Improvisieren beherzt hineinfallen lassen können. Ihr Faible fürs Entdecken neuer Klänge und Spielarten ist immens und die Palette ihrer musikalischen Projekte ist denkbar breit. Wir hoffen, Olga Reznichenko mit diesem Preis in ihrem Wirken unterstützen zu können und freuen uns auf ihr Preisrägerinnenkonzert im Herbst. Der SWR-Jazzpreis ist mit 15.000 € dotiert und wird seit 1981 gemeinsam vom Land Rheinland-Pfalz und dem SWR vergeben. Die Jurymitglieder in diesem Jahr waren: Keisuke Matsuno (Musiker), Annika Sautter (Kulturmanagerin), Ulrich Stock (Journalist), Bettina Bohle (Leiterin Jazzinstitut Darmstadt), Etienne Emard (Referatsleiter Musik beim Ministerium für Familie, Frauen, Kultur und Integration des Landes Rheinland-Pfalz) und wir, Julia Neupert & Konrad Bott vom SWR. Am 31. Oktober 2026 findet die offizielle Preisverleihung als Konzert im BASF-Gesellschaftshaus in Ludwigshafen statt. Olga Reznichenko tritt dort mit ihrem neuen Ensemble „Olga’s Magic Square“ …

Die Jazz&Zeugs-Radiowoche vom 06.04.26 bis 12.04.26

Mord vor Ort. Foto: Martin HufnerJazz im Radio – Jeden Sonntag gibt es um 12 Uhr unsere Übersicht für die jeweils nachfolgende Woche. Die #Jazz-Radiowoche vom 06.04.26 bis zum 12.04.26. Auch als PDF zum Download – #Jazz #JazzZeitung #Radio #Radiowoche – Ein Service unserer Online-Redaktion.

Gelungenes Mini-Jubiläum – zur 55. Internationalen Jazzwoche Burghausen

Die 55. Internationale Jazzwoche Burghausen zeigte Wege auf, wie Bayerns ältestes Jazzfestival Szenewandel und Sparzwänge bewältigen kann. Ein Aufreger ist ja gut für jedes Festival-Langzeitgedächtnis. Die Polizei rückte zwar bei der 55. Ausgabe der Internationalen Jazzwoche Burghausen nicht an, anders als 2017 bei Cassandra Wilson und 1976, als Chet Baker verhaftet wurde. Dafür war beim Konzert von Festival-Liebling und Dauergast Wolfgang Haffner (nach eigner Schätzung war er mindestens 16 Mal hier) die Jazz-Polizei anwesend. Deutschlands prominentester Drummer hatte sich zu seinem großen Jubiläumskonzert (60. Geburtstag, 50 Bühnenjahre, 40 Jahre seit dem ersten Burghausen-Auftritt) einige Weggefährten eingeladen. Neben Viktoria Tolstoy, Nils Landgren und dem Überraschungsgast Jakob Manz auch Shantel, einen alten Freund aus dem Pop-Bereich, in dem Haffner ja auch gerne zu Gast ist. Und der 58-jährige Stefan Hantel stemmte das in die Wackerhalle, womit er in den Zweitausenderjahren zum Disko-Star geworden war: den Balkan-Pop seines Bucovina Clubs. Was das Burghauser Publikum überdeutlich verprellte: Buh- und Aufhören-Rufe waren zu vernehmen, viele stimmten mit den Füßen ab und verließen die Halle. Man kann sich nun trefflich darüber streiten, ob man das Burghauser Publikum – die Gebliebenen ließen …

Velvet Revolution & Jelena im Bergson – samtene Verführung

(Von Robert Fischer) Man wüsste ja gerne, wie Daniel Erdmann das macht: dass man seinem Ton am Saxophon sofort erliegt. Seit rund drei Jahrzehnten ist der 1973 in Wuppertal geborene Musiker jetzt schon in der europäischen und internationalen Szene aktiv. Und in welcher Bandkonstellation auch immer er zu hören ist – stets kann man sich darauf verlassen, dass sein verführerischer Ton das Ganze zum Erlebnis macht. Was er auch bei seinem BR-Clubkonzert am Mittwoch, dem 11. März 2026, im Münchner Bergson Kunstkraftwerk erneut eindrucksvoll bewies. Kein Wunder also, dass auch Beate Sampson, die für den das Konzert aufzeichnenden (und am 20. März ab 23.03 in der Sendung Jazztime auf BR Klassik sendenden) Bayerischen Rundfunk moderierend durch den Abend führte, ins Schwärmen kam. Über einen Musiker, den sie nun schon seit rund drei Jahrzehnten kennt und der nicht zuletzt auch über einen hintergründigen Humor verfügt, der ihn zum Beispiel dazu brachte, seine vor der Jahrtausendwende „Erdmann 2000“ genannte Formation nach eben dieser durchaus folgerichtig in „Erdmann 3000“ umzubenennen. Eine Kombination aus Feuer und Zartheit „Velvet Revolution“, so bekundete der Tenorsaxofonist anschließend selbst auf der Bühne im …

Mosaic Records: Classic V-Disc Big Band Jazz Sessions

Nachdem das Label Mosaic Records vorletztes Jahr bereits eine 11-CD Box mit Classic V-Disc Small Group Jazz Sessions veröffentlicht hat (siehe dazu JazzZeitung vom 07.11.2024: https://www.jazzzeitung.de/cms/2024/11/mosaic-records-classic-v-disc-small-group-jazz-sessions/) folgt nun der zweite Geniestreich mit den V-Disc Big Band Jazz Sessions auf 10 CDs. Auch diese Mosaic Box ist weltweit wieder auf 5.000 Exemplare limitiert. Die legendären V-Discs: Amerika zieht in den zweiten Weltkrieg und die United Service Organization (USO), gegründet 1941, sorgte damals in Übersee für die Unterhaltung und das Wohlergehen von US-Soldaten. Als „moralische Stärkung“ u.a. mit sogenannten V-Discs („Victory Discs“). Musikalische Schätze des Jazz, der Unterhaltungsmusik und Klassik, zum Teil exklusiv aufgenommen während des „record ban“ von August 1942 bis November 1944. Diese Aufnahmen waren in diesem Zeitraum die einzig offiziellen Sessions und Produktionen mit Instrumentalmusikern, die für diesen Rahmen aufgenommen und veröffentlicht werden durften. Später folgten dann weitere, spezielle Aufnahme-Sessions für dieses Army Projekt. Als 12-inch Schellacks zusammengestellt und in 10er Kartons mit jeweils 100 Grammophonnadeln verpackt, wurden die V-Disc‘s dann nach Übersee verschifft. Was die vorliegenden Aufnahmen besonders interessant macht ist die Tatsache, dass sie, entstanden zwischen Oktober 1943 und November 1948, den …

Heukens – Koch – Grossmann mit starkem Vibe für Post-Tiktoker

Regensburger Drummer Johannes Koch legt mit Trio Future Backup ein chillig-verträumtes Debütalbum vor Kommt mit dem Vorstoß der Sozis zu Social-Media-Beschränkungen jetzt die Post-Tiktok-Generation? Den Soundtrack dafür gibt es schon. Die Band Future Backup praktiziert damit ein gelassenes Anschwimmen gegen den Zeitgeist. Auf ihrem Album „Golden“, das eben beim österreichischen Indielabel Boomslang Records erschienen ist, schalten die drei Musiker in einer Welt des höher-schneller-weiter zwei oder gar drei Gänge runter. Sie dehnen den Moment und bleiben, bildlich gesprochen, im musikalisch-yogischem Om, in dem sich Töne, Rhythmen und Sounds ausgesprochen chillig und dennoch höchst präzise entfalten können. Der gebürtige Regensburger Johannes Koch, der erst vor zwei Jahren mit seinem Quartett „Life is Great“ ein gefeiertes Debüt erlebte, spielt schon lange mit Vibraphonist Volker Heukens und Lukas Grossmann an der Orgel (auch Synthie) im Trio. Nach x Konzerten und Festivalauftritten vom Jazzfest Berlin bis zu den wichtigen Szenefestivals Hurricane & Southside folgt endlich ihr Debüt mit dem konzeptlosen Album. Konzeptlos, weil weniger eine ausgereifte Idee, als vielmehr ein Gefühl Auslöser für die elf Titel war. Die Skizzen dazu hat Heuken, der in Nürnberg bei Roland Neffe Jazz-Mallets …

Elliot Galvin – höllische Klanggewitter, irritierte Zuhörer

In der britischen Jazzszene hat es neben einer breiten Trad-Linie und einem innovativen Fusionzweig seit den 1970er Jahren auch eine starke Free-Szene gegeben. Auf dem Festland ist diese nur wenig wahrgenommen worden. Umso höher ist es dem Jazzclub anzurechnen, dass er mit dem Quartett des britischen Pianisten Elliot Galvin ein Schwergewicht der gegenwärtigen Jazzszene eingeladen hat, der an diese frühen Avantgarde- und Freejazz-Strömungen anknüpft. Geisterhafte Klavierklänge Bevor die ersten geisterhaften Klavierklänge die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich zogen, fielen bereits die ungewöhnliche Instrumentierung und geschlechterparitätische Besetzung ins Auge. Eigentlich schade, dass dieser Umstand noch immer einen  Aufmerksamkeitswert besetzt, obwohl doch die Gleichberechtigung in weiten Teilen der Gesellschaft längst zur Normalität gehört. Neben dem Bass als einzigem elektrisch verstärktem Instrument, gespielt von Ruth Goller, waren Piano, Schlagzeug und eine Geige im Einsatz. Die allerdings war, wie bei vielen E-Gitarristen mit einer ganzen Latte von Effektgeräten verbunden. In einem langen frei improvisiertem Solo steuerte Mandhira de Saram diese derart virtuos mit den Füssen, dass sich über der Zuhörerschaft ein geradezu höllisches Klanggewitter entlud. Mit der brachialen Geräusch- und Lärmorgie gab die Violinistin der anfänglichen morbid-verlorenen Stimmung, die …

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